Presse

Pressemitteilung zur Ausstellungseröffnung am 29.03.2007

Angespült, wie ein toter Wal am Meer, vor sich hinrostend, langsam verendend, wie Tiere im verschneiten Wald – Michael Ballmann zeichnet Lokomotiven als ausgestorbene Lebewesen, die uns durch ihre nicht verwesten Skelette an ihre ehemalige Existenz erinnern.
Nicht einmal 150 Jahre hat die Menschheit die Dampfmaschinentechnik genutzt. Wie kaum eine andere Erfindung hat sie das Leben der Menschen verändert. Da wundert es nicht, dass bis heute viele die Dampfloks verehren und ihnen menschliche, lebendige Eigenschaften zuschreiben, wie wir auch zum Auto oder dem Computer mitunter eine persönliche Beziehung aufbauen. Mit der Grazie einer vorbeischwebender Dampflok, die umhüllt von weißem Rauch und in der flüssigen Bewegung ihrer Räder völlig vergessen lässt, dass sich hier Tonnen durch die Landschaft bewegen, kann es die moderne Technik von heute nicht aufnehmen.
Während der Dampflokfan sein Objekt am liebsten restauriert und in voller Fahrt beobachtet, beschäftigt sich Michael Ballmann in seinen Bildern mit dem Aspekt der Vergänglichkeit. Die Reihe Memoria zeigt zerstörte und alte Loks, in hohen Räumen schwebend, Kathedralen mit einer modernen aseptischen Hygieneraumästhetik, die einen Kontrast zu den ölverlierenden, rostigen Maschinen bietet. Dass die Lokomotiven mal mit dem Leben verbunden waren, wird subtil angedeutet, durch die in der Spieglung blas erkennbare Einweihungsfeier oder den grünen Zweig, der durch das Fenster der Kathedrale erkennbar ist.
Das Bild „Letzter Tanz“ zeigt ein Abstellgleis, auf dem Dampflokomotiven zerbomt, ineinander geschoben, sich aufbäumend, zurück gelassen wurden. Im warmgelben Sonnenlicht wirkt es, als würden sie gemeinsam tanzen. Das Bild „Fehlkonstruktion“ erscheint wie ein letzter vergeblicher Versuch ins Leben zurück zu kehren. Hier wurde die Lok mit den zwei Dampfkesseln und wirr heraushängenden Schläuchen von dem nahen Bahnhofsumfeld, von Gleis und Wasserhaus verbannt. Thematisch erinnert es an das erste Bild, das der Künstler zum Thema Lokomotiven angefertigt hat und das bis heute unvollendet geblieben ist. Hier wird die Dampflok Franco Crosti gezeigt, ein letzter Versuch deutscher Ingenieure im Zeitalter der E-Loks, eine konkurrenzfähige Dampfmaschine zu konstruieren – mit zwei Kesseln um den Energienutzungsgrad zu erhöhen – aber auch das war leider eine Fehlkonstruktion.
Der Versuch ins Leben zurück zu kehren ist gescheitert – was bleibt ist die Erinnerung an eine ausgestorbene Spezies.

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